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Geschlechtergerechte Care-Arrangements in Wohn-Pflegegemeinschaften? Studie zur Neuverteilung formeller, informeller, professioneller und semiprofessioneller Pflegeaufgaben


Gesellschaftliche Veränderungen, wie die Erosion familialer Netzwerke, der demographische Wandel oder die Entstehung neuer gesellschaftlicher Risiken erhöhen den Druck auf wohlfahrtsstaatliche Politik, tragfähige Konzepte für die Regulation von Pflegebedürftigkeit und die Betreuung von Menschen mit Unterstützungsbedarf zu entwickeln. Vor allem Länder wie Deutschland, die jahrzehntelang auf die unbezahlte Pflegearbeit in der Familie setzten, die dort vornehmlich von weiblichen Familienangehörigen geleistet wurde, stehen vor der Notwendigkeit einer politischen Neuorientierung. Die Folgen der bislang politisch forcierten und institutionell verankerten Care-Arrangements sind bekannt: Frauen wurden am Arbeitsmarkt systematisch benachteiligt und sind im Alter einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt (Becker-Schmidt 2012). Bereits jetzt ist absehbar, dass Fürsorgeleistungen zukünftig nicht mehr oder nicht mehr ohne Weiteres im Rahmen des traditionellen Hausfrauenmodells von den weiblichen Familienangehörigen erbracht werden (vgl. Riegraf/Metz-Göckel/Theobald 2011).

Das Forschungsprojekt geht der Frage nach, inwiefern Care-Arrangements in Wohn-/Pflegegemeinschaften den Kriterien einer (geschlechter)gerechten Verteilung und Organisation von Pflegearbeit entsprechen. Mithilfe von qualitativen und quantitativen Methoden wird am Beispiel von ausgewählten Wohn-/Pflege-Gemeinschaften das Zusammenspiel von informeller und formeller, von semi-professioneller und professioneller Pflegearbeit nach Geschlecht in Wechselwirkung mit unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft untersucht. Drei Schwerpunkten werden dabei gebildet: Der erste Komplex betrachtet, wer in Wohn-/Pflegegemeinschaften überhaupt welche informelle, formelle, professionelle, semiprofessionelle Pflege in Anspruch nimmt und welche unterschiedlichen Pflegearrangements sich herausbilden. Der zweite Komplex konzentriert sich darauf, wer welche Leistungen in dem Mix von formeller, informeller, professioneller und semiprofessioneller Pflegeaufgabe erbringt. Der dritte Komplex widmet sich den Auswirkungen der Unterbringung Pflegebedürftiger in Wohn-/Pflege-Gemeinschaften auf die Lebens- und Berufsgestaltungen der Angehörigen unter einer geschlechterbezogenen Perspektive. Die drei Komplexe geben zusammengefügt ein Gesamtbild darüber, ob und unter welchen Bedingungen Wohn-/Pflege-Gemeinschaften ein Modell für geschlechtergerechte Umverteilung von Care-Arbeiten differenziert nach sozialer und kultureller Herkunft sein können.

Quelle: Projektbeschreibung der forschenden Einrichtung  
Projektbericht
Quelle: Reimer, R. & Riegraf, B. (o. J.). Geschlechtergerechte Care-Arrangements in Wohn-Pflegegemeinschaften? Studie zur Neuverteilung formeller, informeller, professioneller und semiprofessioneller Pflegeaufgaben. Paderborn.
DOI/ISBN/ISSN: 978-3-945437-00-1
Informelle Netzwerke
Pflegebedürftigkeit
Care Management
Pflegepolitik
Wohngemeinschaften
Mixed Methods Forschungsdesign
Frauen
Pflegebedürftige Personen
Betreuung
Familiale Pflege
Formelle Pflege
Projektzeitraum Mai 2013 - Juni 2015
Universität Paderborn
Fakultät für Kulturwissenschaften (Leitende Einrichtung)
Projekt-ID 211